CWDS (Customs Warehouse for Distance Sales)

Kurz erklärt: Ein CWDS (Customs Warehouse for Distance Sales), auf Deutsch Zolllager für Distanzverkäufe, ist ein vom Zoll genehmigtes Lager, in dem nicht-europäische Waren für den Versand an Endkunden in der EU gelagert werden können, ohne dass beim Eingang sofort Einfuhrabgaben fällig werden. Verzollt wird erst, wenn eine konkrete Bestellung tatsächlich in den freien Verkehr der EU überführt wird. Das CWDS ist ein spezialisiertes Sub-Regime innerhalb der bestehenden Zolllagerverfahren und Teil der R-UZK-Strukturreform, anwendbar ab dem 1. Juli 2028.  

Was bedeutet CWDS genau?

  • Zulassung und Überwachung: Ein CWDS ist ein besonderes Lager, das die Zollbehörde offiziell genehmigt und überwacht. Nur in solchen zugelassenen Räumen gelten die speziellen Regeln für unverzollte Lagerhaltung.
  • Suspensive Wirkung: Waren aus Drittstaaten dürfen im CWDS gelagert werden, ohne dass Zölle und Einfuhrumsatzsteuer sofort bezahlt werden müssen. Das verschafft dem Lagerbetreiber Liquidität und Planungsspielraum.
  • Zweck: Der Fokus liegt klar auf Distanzverkäufen, also E-Commerce und Fernabsatz. Ein Händler, der viele Einzelpakete an Endkunden in der EU verkauft, kann seine Waren zentral in einem CWDS bereithalten und erst beim tatsächlichen Versand einer Bestellung verzollen.
  • Verzollung bei Entnahme: Sobald eine konkrete Bestellung für einen EU-Kunden vorbereitet wird, wird genau diese Bestellung aus dem CWDS entnommen und zur Einfuhr in den freien Verkehr angemeldet. Anders als im klassischen Zolllagerverfahren entsteht die Zollschuld im Distanzhandelsregime nicht erst mit dieser Anmeldung, sondern bereits im Zusammenhang mit der Zahlung des Endkunden an den Plattformbetreiber.
  • Umschlag und Distribution: Neben der reinen Lagerung sind in Zolllagern häufig auch einfache Umschlag- oder Verpackungsarbeiten erlaubt, etwa Etikettierung oder Kommissionierung, bevor die Ware versandt wird. Komplexere Verarbeitung ist dagegen meist eingeschränkt oder erfordert eine besondere Genehmigung.
 

Warum ein CWDS für Distanzverkäufe praktisch ist?

  • Flexiblere Liquidität: Zölle und Steuern fallen nicht bereits beim Import ganzer Warenbestände an, sondern erst, wenn die Ware tatsächlich an einen Kunden in der EU geht
  • Schnellere Lieferung: Zentrale Lager innerhalb der EU ermöglichen kurze Lieferzeiten, weil die Waren bereits in der Union vorgehalten werden
  • Vereinfachte Abwicklung: Statt für jede einzelne Einfuhr separate Sendungs- oder Zollformalitäten im Ursprungsland zu erledigen, laufen die Abläufe zentral in einem regulierten Lager zusammen
  • Reduzierte Bearbeitungsgebühr: Die Kommission verknüpft die Nutzung eines CWDS bewusst mit einer geringeren Bearbeitungsgebühr, um den Strom unzähliger Einzelpakete zugunsten gebündelter Bulk-Importe zu kanalisieren

Pflichten und Risiken für Betreiber und Nutzer

  • Genehmigungsvoraussetzungen: Umfangreiche Anforderungen an Buchführung, Sicherheitsstandards und die Trennung von Unions- und Nicht-Unionswaren
  • Nachweispflichten: Lückenlose Dokumentation jeder Entnahme und Versendung, da nur die tatsächlich entnommenen Sendungen verzollt werden
  • Haftung für Abgaben: Sobald Waren in den freien Verkehr überführt werden, sind die Abgaben fällig. Fehler in der Buchführung oder falsche Entnahmen können zu Nachforderungen und Sanktionen führen
  • Eignung nur für bestimmte Geschäftsmodelle: Ein CWDS lohnt sich vor allem bei hohem Distanzverkaufs-Volumen, für sehr kleine oder sporadische Importe kann der Aufwand unverhältnismäßig sein
  • Zugangsvoraussetzung Trust-and-Check: Zugang zum CWDS erhalten ausschließlich Wirtschaftsbeteiligte mit T&C-Trader-Status. Ohne diesen Status ist die Nutzung des Verfahrens nicht möglich, unabhängig vom Sendungsvolumen
 

Wie CWDS in die UZK-Reform passt?

Das CWDS ist kein eigenständiges Element der Sofortmaßnahme 2026, sondern Bestandteil der R-UZK-Strukturreform mit Anwendung ab dem 1. Juli 2028. Die Reform zielt auf mehr Digitalisierung und Harmonisierung. CWDS-Abläufe werden voraussichtlich stärker mit zentralen Datenplattformen wie dem EU Customs Data Hub verknüpft, sodass Meldungen und Entnahmen elektronisch erfasst und wiederverwendet werden können. Durch verlässlichere, zentralisierte Daten können Zollbehörden Entnahmen aus einem CWDS besser nachverfolgen und gezielter prüfen. Die wichtigste Schnittstelle besteht zum Trust-and-Check-Status: Anders als bei anderen Vereinfachungen ist dieser Status hier keine bloße Erleichterung, sondern zwingende Zugangsvoraussetzung. Nur T&C-Trader dürfen ein CWDS betreiben oder nutzen. Praxisbeispiel Ein chinesischer Hersteller liefert 10.000 Smartphones in ein CWDS in Deutschland. Die Geräte liegen dort zunächst unverzollt. Bestellt ein Kunde aus Frankreich ein Smartphone, wird genau dieses Gerät aus dem CWDS entnommen, elektronisch dem Zoll gemeldet, die Abgaben werden berechnet und bezahlt, und das Paket geht an den Kunden. Die restlichen Geräte bleiben unverzollt, bis weitere Bestellungen eintreffen.  

Praktische Hinweise für Unternehmen

  • Prüfen, ob das eigene Geschäftsmodell ausreichend Volumen für ein CWDS mitbringt
  • Frühzeitig den Trust-and-Check-Status anstreben, da er zwingende Voraussetzung für den Zugang zum CWDS ist
  • IT- und Buchführungssysteme so aufsetzen, dass jede Warenbewegung lückenlos dokumentiert wird
  • Frühzeitig mit dem zuständigen Zollamt sprechen, um Bewilligungen und Anforderungen zu klären
  • Abwägen, ob ein öffentliches Zolllager, das für alle nutzbar ist, oder ein genehmigtes privates Zolllager nur für den Bewilligungsinhaber besser passt
 

Häufig gestellte Fragen zum CWDS

Was bedeutet CWDS?
CWDS steht für Customs Warehouse for Distance Sales, auf Deutsch Zolllager für Distanzverkäufe.

Ab wann gibt es das CWDS?
Das CWDS ist Teil der R-UZK-Strukturreform und wird ab dem 1. Juli 2028 anwendbar sein, zusammen mit den übrigen zentralen E-Commerce-Bestimmungen des reformierten Unionszollkodex.

Wann werden im CWDS Zölle fällig?
Erst, wenn eine konkrete Bestellung aus dem Lager entnommen wird. Die Zollschuld entsteht dabei im Zusammenhang mit der Zahlung des Endkunden an den Plattformbetreiber, nicht schon beim Wareneingang in das Lager.

Für wen eignet sich ein CWDS?
Vor allem für E-Commerce-Händler mit hohem Distanzverkaufs-Volumen, die viele Einzelbestellungen an Endkunden in der EU versenden. Voraussetzung ist außerdem der Trust-and-Check-Status.

Welche Vorteile bietet ein CWDS?
Mehr Liquidität durch aufgeschobene Abgaben, kürzere Lieferzeiten durch zentrale Lagerung in der EU, eine reduzierte Bearbeitungsgebühr sowie eine vereinfachte Abwicklung vieler Einzelbestellungen.

Wie hängt der CWDS mit der UZK-Reform zusammen?
Das CWDS ist Bestandteil der R-UZK-Strukturreform, nicht der bereits geltenden Sofortmaßnahme 2026. Der Zugang ist ausschließlich Wirtschaftsbeteiligten mit Trust-and-Check-Status vorbehalten. CWDS-Prozesse werden zudem stärker mit dem EU Customs Data Hub verknüpft, wodurch Meldungen und Entnahmen elektronisch erfasst und besser nachverfolgt werden können.

Fazit

Ein CWDS ist ein spezialisiertes Zolllager, das Distanzverkäufen ermöglicht, Importabgaben bis zur tatsächlichen Entnahme aufzuschieben. Es ist ein nützliches Werkzeug für E-Commerce-Händler mit hohem Volumen, setzt aber den Trust & Check Trader Status voraus und erfordert strenge Buchführung, Genehmigungen und eine enge IT-Anbindung an Zollsysteme.


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