MERCOSUR
Was ist MERCOSUR?
- Gegründet 1991 durch den Vertrag von Asunción
- Vollmitglieder: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay
- Venezuela war Vollmitglied, ist seit 2016 aus politischen Gründen suspendiert
- Bolivien befindet sich seit Jahren in einem Beitrittsprozess zum Vollmitglied
- Assoziierte Mitglieder ohne Stimmrecht: Chile, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Suriname
- Beobachterstatus: Mexiko, Neuseeland
Warum ist MERCOSUR für den Zoll relevant?
Nach mehr als 25 Verhandlungsjahren haben die EU und MERCOSUR am 17. Januar 2026 in Asunción ein umfassendes Handelsabkommen unterzeichnet. Es ist in zwei rechtlich getrennte Teile aufgeteilt:- Das Interims-Handelsabkommen (IHA) fällt in die ausschließliche Zuständigkeit der EU und braucht keine Ratifizierung durch die einzelnen Mitgliedstaaten
- Das umfassende EU-Mercosur-Partnerschaftsabkommen (EMPA) regelt zusätzlich politische Zusammenarbeit und braucht die Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie die Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedstaaten
Was ändert sich konkret für Unternehmen?
- Zollsenkungen: größtenteils sofort oder stufenweise, unter anderem auf Kraftfahrzeuge und Teile (bisher bis zu 35 Prozent), Maschinenbau (14 bis 20 Prozent) und Chemikalien (bis zu 18 Prozent)
- Ursprungsregeln und Zugang zum öffentlichen Beschaffungswesen sind ab dem ersten Tag der vorläufigen Anwendung bindend
- Für Agrarprodukte gelten nur begrenzte Kontingente (TRQ) zu reduzierten oder Nullzöllen, mit schrittweiser Liberalisierung über sechs Jahre
- Eine bilaterale Schutzklausel erlaubt es der EU, bei Marktverwerfungen Präferenzen für bis zu zwei Jahre auszusetzen, verlängerbar um weitere zwei Jahre
- Übergangsregel beim Ursprungsnachweis: Die EU erkennt neben der Ursprungserklärung für bis zu drei Jahre (verlängerbar um zwei weitere) auch ein klassisches Ursprungszeugnis an. Paraguay verwendet während einer fünfjährigen Übergangszeit ausschließlich dieses Ursprungszeugnis nach Anhang 3-D – nicht zu verwechseln mit dem nichtpräferenziellen Ursprungszeugnis, das im Warenverkehr mit vielen anderen Ländern üblich ist
Aktueller Rechtsstatus
Das Abkommen ist politisch und rechtlich noch nicht abgeschlossen. Der EU-Rat stimmte am 9. Januar 2026 der Unterzeichnung zu, die Unterzeichnung erfolgte am 17. Januar 2026. Am 21. Januar 2026 beschloss das Europäische Parlament mit knapper Mehrheit, den Europäischen Gerichtshof mit der Prüfung der Vereinbarkeit des Abkommens mit den EU-Verträgen zu befassen – ein Verfahren, das sich über mehrere Monate hinziehen kann. Trotz dieses laufenden Verfahrens hat die Kommission den Handelsteil zum 1. Mai 2026 vorläufig in Kraft gesetzt. Das umfassende Partnerschaftsabkommen bedarf weiterhin der Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie der Ratifizierung durch alle nationalen, in Belgien teilweise auch regionalen Parlamente – ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann. Das Abkommen ist innerhalb der EU umstritten. Befürworter verweisen auf neue Exportmärkte und jährliche Zollersparnisse von rund vier Milliarden Euro für EU-Exporteure. Kritiker, insbesondere aus der Landwirtschaft, befürchten Wettbewerbsnachteile für europäische Agrarerzeuger und Risiken für Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards.Was Unternehmen jetzt beachten sollten
- Ursprungsnachweise korrekt zuordnen: Eigenerklärung oder Übergangs-Ursprungszeugnis, mit Sonderregel für Paraguay
- Zollsenkungen nur nutzbar, wenn die Ursprungsregeln des Abkommens erfüllt sind
- Bei Agrarimporten Kontingente und mögliche Schutzklausel im Blick behalten
- Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) bleibt unberührt: MERCOSUR-Staaten werden durch das Abkommen nicht automatisch als risikoarm im Sinne der EUDR eingestuft
Häufig gestellte Fragen zu MERCOSUR
- Was bedeutet MERCOSUR? MERCOSUR steht für Mercado Común del Sur, den 1991 gegründeten gemeinsamen Markt Südamerikas mit den Vollmitgliedern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay.
- Ist das EU-Mercosur-Abkommen schon vollständig in Kraft? Nein, nur teilweise. Der Handelsteil (Interimsabkommen) wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Das umfassende Partnerschaftsabkommen benötigt noch die Zustimmung des Europäischen Parlaments und die Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedstaaten.
- Warum prüft der EuGH das Abkommen? Das Europäische Parlament hat am 21. Januar 2026 mit knapper Mehrheit beschlossen, den Europäischen Gerichtshof anzurufen, um zu klären, ob das Abkommen mit den EU-Verträgen vereinbar ist.
- Welche Zollvorteile bringt das Abkommen für EU-Unternehmen? Der weitgehende Abbau bislang hoher Mercosur-Zölle, unter anderem auf Kraftfahrzeuge, Maschinen und Chemikalien, soll EU-Exporteuren jährlich rund vier Milliarden Euro an Zollkosten einsparen.
- Gilt für Agrarimporte aus Mercosur-Staaten eine Sonderregelung? Ja. Für sensible Agrarprodukte gelten begrenzte zollfreie oder zollreduzierte Kontingente sowie eine bilaterale Schutzklausel, mit der die EU Präferenzen bei Marktstörungen vorübergehend aussetzen kann.
Fazit
MERCOSUR ist für den EU-Außenhandel durch das neue Handelsabkommen praktisch bedeutsam geworden. Der Handelsteil gilt bereits vorläufig, das umfassende Partnerschaftsabkommen und die EuGH-Prüfung stehen aber noch aus. Unternehmen sollten die neuen Ursprungsregeln, Übergangsfristen und die anhaltende politische und rechtliche Unsicherheit im Blick behalten. ➡️ Mehr zum Thema MERCOSUR erfahren Sie in unserem monatlichen Update Format „Zoll to Date“ – Mehr erfahrenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von Turnstile laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen